OberammergauMuseum
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Leiden und Größe im Exil - der "Joseph-Roman" und Thomas Mann, 9.6. - 6.11.2011

„Ich bin diesem Werke dankbar, das mir Stütze und Stab war auf einem Wege, der oft durch so dunkle Täler führte – Zuflucht, Trost, Heimat, Symbol der Beständigkeit war es mir, Gewähr meines eigenen Beharrens im stürmischen Wechsel der Dinge.“ (Thomas Mann 1948, Gesammelte Werke in 13 Bänden. Frankfurt/M.: S. Fischer Verlag ²1974, Band XI, S. 670)

Thomas Mann erzählt in seinem Roman „Joseph und seine Brüder“ auf 2.100 Buchseiten einen biblischen Stoff, der im Alten Testament keine 40 Seiten umfasst. Er arbeitete von 1926 bis 1943 am Manuskript. Sechzehn sorgenvolle, peinigende, unsichere, auch deprimierende Jahre. Thomas Manns publizistischer Kampf gegen die aufkommende NS-Bewegung in den 1920er Jahren kulminierte 1933 in der Emigration der ganzen Familie aus Deutschland. Existenzängste und tiefe Niedergeschlagenheit, Besorgnis um das Schicksal Deutschlands und Europas prägen die ersten Exiljahre in der Schweiz. Der Verrat europäischer Politiker im Münchner Abkommen 1938, das die Tschechoslowakei an Nazi-Deutschland ausliefert, deprimierte in zutiefst.

[…] „München“ und das endgültige Begreifen des schmutzigen Stückes, das all die Zeit gespielt worden und dessen Höhepunkt die Übertragung der Hitlerschen Kriegserpressung durch die „demokratischen“ Regierungen auf die eigenen Völker war ... Die Scham, der Ekel, das Zerstieben aller Hoffnung. Tagelang war auch ich regelrecht gemütskrank.“ (Thomas Mann an Erich von Kahler, 19.10.1938, Briefe 1937-1947. Frankfurt/M.: S. Fischer Verlag 1963, S. 57f.)

Auch in den USA, seiner zweiten Exilstation seit 1938, setzte Thomas Mann seinen Kampf gegen Hitler fort. Im amerikanischen  Präsident Franklin D. Roosevelt sah er den Retter der Welt vor dem Faschismus. In diesen turbulenten und von vielfältigen publizistischen und politischen Aktivitäten geprägten Jahren blieb die Arbeit am „Joseph“ die Konstante seines täglichen Lebens. Dem Manuskript widmete er die besten Stunden des Tages. Es entstand kein weltentrücktes Werk wie es der biblische Stoff vermuten ließe, sondern ein von den politischen Entwicklungen der Zeit stark beeinflusstes Romanepos.

Die Ausstellung zeigt, wie sehr das alttestamentarische Thema des „Joseph-Romans“ und Thomas Manns politisches Engagement miteinander verwoben sind. Anhand von zahlreichen Buchausgaben und originalen Tonaufnahmen wird die heute vielfach vergessene Rolle als Mahner im Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime durch sein essayistisches und literarisches Werk sichtbar gemacht.

„Wenn Hitler das Unglück Deutschlands war, so war T.M. das Glück Deutschlands in jener schlimmen Zeit." (Marcel Reich-Ranicki, zit. nach Golo Mann, Briefe 1932-1992. Hrsg. v. Tilmann Lahme u. Kathrin Lüssi. Darmstadt: Wallstein Verlag 2006, S. 321)

Kuratoren der Ausstellung: Eckhard Zimmermann, Dr. Sebastian Kiwitt
Idee und Gestaltung: Dr. Constanze Werner, Andrea Sorg

Samstag, 30.07.2011, 18.30 Uhr

Der langjährige Leiter von Goethe-Instituten weltweit Dr. Dieter Strauss spricht in „OhMannOhManns“ über die Exilerfahrungen der deutschen Schriftstellerfamilie Mann Termin: 30.07.2011, 18.30.

OhMannOhManns - Exilerfahrungen einer bedeutenden deutschen Schriftstellerfamilie

Was für eine sonderbare Familie wir sind! Man wird später Bücher über UNS, nicht über einzelne von uns schreiben.
Wie recht Klaus Mann hatte. In diesem Vortrag geht es um die Exilerfahrungen der berühmtesten deutschen Schriftsteller-Familie. Angefangen bei Julia Mann, der starken Brasilianerin hinter dem Clan, über ihre berühmten und zeitweise verfeindeten Schriftsteller-Söhne Heinrich und Thomas, dessen Kinder Erika, die Kabarettistin, Klaus, den Autor des „Mephisto“, Golo den schriftstellernden Historiker, Michael, den Bratschisten und Germanisten in Berkeley, bis zu dessen Sohn Frido, dem Lieblingsenkel von Thomas Mann, der im „Dr. Faustus“ einen tragischen Tod erleidet.

Einige der genannten Manns werden zu Beginn in Extremsituationen des Exils vorgestellt. Der Spannungsbogen reicht dann über ihre Exilgründe, ihren politischen Kampf, ihre Adaptationsversuche in den Exilländern bis zur Entzauberung dieser Länder in der Nachkriegszeit.
Der Vortrag bietet damit einen kurzen Streifzug durch die Kaiserzeit, die Weimarer Republik, den Faschismus und die Nachkriegsära, eine Zeitreise durch das spannende 20. Jahrhundert und einen Gang durch die bunte Familiengeschichte der Manns.

Der Referent arbeitete weltweit 33 Jahre für das Goethe-Institut, als stv. Generalsekretär und Leiter der Goethe-Institute in Santiago de Chile, Sao Paulo, Paris und Rabat-Casablanca.
Dem Vortrag liegen seine Bücher „Oh Mann, oh Manns – Exilerfahrungen einer berühmten deutschen Schriftstellerfamilie (Peter Lang Verlag Frankfurt 2011), „Julia Mann – Lebensstationen der Mutter von Heinrich und Thomas Mann“ (Verlag Dräger Lübeck 1999), „Klaus Mann et la France – un destin d’exil“ (Seghers Paris 2002) und „Diesseits von Goethe – deutsche Kulturbotschafter im Aus- und Inland“ (Adatia Verlag Bonn 2009) zu Grunde.

Donnerstag, 14.07.2011, 18.30 Uhr

Der Murnauer Komponist und Zeitzeuge Adolph Kurt Böhm, ein „Gerechter unter den Völkern“, spricht über Exil und Widerstand in Paris unter deutscher Besatzung Termin: 14.07.2011, 18.30.

 
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